AC/DC, Cloud-native und das Chaos als Ziel: W-JAX 2018 eröffnet

München + November + Java. Bereits zum 17. Mal lautet das Ergebnis dieser Gleichung: W-JAX! Die große Konferenz für Java, Architektur- und Software-Innovation ist eröffnet.

In seiner Begrüßungs-Keynote nahm Program Chair Sebastian Meyen die Übernahme von Red Hat durch IBM zum Anlass, um die großen Verschiebungen der IT in den letzten Jahren nachzuzeichnen.

Sebastian Meyen eröffnet die W-JAX 2018

Startete der Open-Source-Pionier Red Hat als ausgemachter Linux-Spezialist, kam durch die Übernahme von JBoss im Jahr 2006 der boomende Zweig der Java Middleware hinzu. Alsbald erweiterte Red Hat seine Aktivitäten in Richtung Cloud und Container: OpenShift, Docker, Kubernetes heißen heute die Hot Spots.

Die Wertschöpfung verschob sich über die Jahre also deutlich von Betriebssystemkomponenten über Middleware hin zu Cloud-native-Technologien. Dass IBM für dieses Paket nun die Rekordsumme von 34 Milliarden US-Dollar hinlegt, unterstreicht eindrücklich die Relevanz der Cloud-Sparte für die Zukunft der IT. In klassischen Applikationsservern und privaten Rechenzentren sieht wohl auch IBM wenig Perspektive.

Ob die Rechnung aufgeht und IBM mit Red Hat den Rückstand zu AWS, Azure und Google Cloud wettzumachen vermag, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Russ Miles auf der W-JAX 2018

Chaos

Eine Facette weiter brachte Russ Miles (chaosIQ) das Publikum in seiner anschließenden Keynote „Trust and Confidence through Chaos„. Der Chaos Engineer stellte eine insbesondere im DevOps-Kontext lebhaft diskutierte Frage ins Zentrum: Wie schaffen wir es, resiliente IT-Systeme zu bauen, die auch bei Teilausfällen noch funktionieren? Eine Methode auf dem Weg dahin ist das Chaos Engineering.

Dabei ist Resilienz nicht mit Robustheit zu verwechseln. Robuste IT-Systeme werden mit dem Ziel entwickelt, möglichst niemals auszufallen. Potentielle Probleme sollen antizipiert und mit vordefinierten Fallbacks gelöst werden. Bei resilienten Systemen besteht die Herausforderung hingegen darin, auch unvorhergesehene Probleme adäquat zu beantworten. Das Ziel ist nicht die Fehlervermeidung – denn Fehler sind in komplexen Systemen schlicht nicht auszuschließen –, sondern die schnelle Regenerierung.

Chaos Engineering basiert auf der Idee, bewusst Störungen herbeizuführen und aus den Effekten zu lernen. Russ Miles rät dazu, dabei das gesamte Team zu involvieren – Chaos Engineering ist besonders als kollaborative Praktik erfolgreich. Wichtig ist die Einstellung, dass Fehler nicht (nur) dazu da sind, behoben zu werden, sondern (vor allem), um aus ihnen zu lernen.

Das Chaos Engineering kann durch kleine Experimente in Testumgebungen gestartet werden. Am Ende könnte eine Plattform stehen, in der solche Chaos-Experimente automatisiert und als integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses betrachtet werden. “Denn Chaos ist eine dieser C-Disziplinen”, sagt Russ Miles: “Continuous Integration, Continuous Deployment, Continuous Chaos.”

Mit diesem Ausblick – wie immer untermauert durch Russ‘ legendäre Rockgitarren-Performance -, verabschiedete Sebastian Meyen das Publikum in die Konferenzwoche. Wir sind dabei und berichten live vor Ort.